Carsten Sacher - Extremsportler

Jahresrückblick 2013

14 Januar, 2014, by admin, category Allgemein

2013, war (m)ein Jahr voller Extreme.

In den dunklen, kalten und verschneiten Wintermonaten, in denen ich die Master Thesis für meinen Abschluss zum Executive MBA erstellte, verspürte ich einen unheimlichen Drang nach Bewegung. Die vergangenen fünf Jahre an der Universität Liechtenstein kosteten mich nicht nur unzählige Haare, sondern bescherten mir fünf zusätzliche Kilogramm am Bauch. Eine Lösung musste her, und somit wurde nach Jahren der sportlichen Abstinenz die Idee für ein Comeback in der Ultra Szene geboren.

Gesagt getan, ein Wettkampfkalender mit diversen internationalen Veranstaltungen war schnell zusammengestellt. Gemäss dem Motto, wenn schon wieder Sport dann richtig.

Mitte April nach nur drei Monaten Vorbereitung lief ich bereits meinen ersten Marathon. Zweiundvierzig Kilometer können ganz schön laaaaange sein. Der Marathon war dennoch wieder einmal eine wunderschöner sportliche Erfahrung mit sämtlichen Höhen und Tiefen. Zudem hatte ich meinen alten Bekannten „den inneren Schweinehund“ wiedergetroffen.

Beim darauffolgenden 12 Stunden Nachtlauf Ende Mai in Dornbirn wurden sämtliche Teilnehmer einer wirklich harten Prüfung unterzogen. Es regnete fast die komplette Nacht, und das bei windigen und eisigen 4 Grad. Bereits nach wenigen Stunden hatte ich meine vollständige Wechselkleiderkollektion inkl. vier Paar Laufschuhe aufgebraucht. Unter diesen widrigen Bedienungen bin ich auf den neunten Platz in meiner Altersklasse besonders stolz.

Bis zum geplanten Saisonhöhepunkt, den Ultra Triple Triathlon in Lensahn, standen von nun ab nur noch zwei knallharte Trainingsmonate zur Verfügung. Aufgrund der kalten und verregneten Frühlings- und Sommermonate fehlten mir massenweise Radtrainingskilometer. Daraufhin düsten Bernd und ich mit dem Auto ab in den trockenen, warmen und sonnigen Süden, um dort ein paar Tage fleissig Trainingskilometer abzuspulen. Wieder zurück und mit der Sonne im Gepäck folgten an den darauffolgenden Wochenenden Radtouren mit einer Mindestlänge von über 200km inkl. einiger Nachtfahrten. Ziel war es, den Organismus und die Psyche an die bevorstehenden Belastungen zu gewöhnen.

Physisch wie psychisch topfit und zudem hoch motiviert ging es mit circa 5000km Radkilometer, 1500 Laufkilometern und 80 Schwimmkilometern und der kompletten Familie ab zum härtesten Ultra Triathlon Europas in den hohen Norden nach Lensahn. Wir hatten uns riesig gefreut nach all den Jahren endlich wieder die Ultra-Familie / Community anzutreffen und interessante Geschichten auszutauschen.

Am Freitagmorgen, dem 26.07.2013 um 07.00 Uhr erfolgte dann endlich der sehnlichst herbeigewünschte Startschuss für das 11.4km Schwimmen. Nach nur 3.40 Stunden und insgesamt 228 Bahnen hatte ich bereits das Schwimmbecken wieder ohne grössere Anstrengung verlassen. Jetzt standen die 540 Radkilometer mit 67 Runden a ca. 8 Kilometer bevor. Aufgrund der zwischenzeitlichen Tagestemperatur von 35 Grad musste ich meine Strategie von Beginn an ändern. Das heisst tagsüber locker, ruhig und entspannt fahren und die andere überholen bzw. ziehen lassen. In der Nacht bei kühleren Temperaturen das Tempo anzuziehen und komplett auf das Schlafen zu verzichten.

In einer Wahnsinnszeit von 22 Stunden inkl. zwei Stunden Essens- bzw. Umziehpausen konnte ich die 540km ohne grössere körperliche Probleme und Anstrengungen absolvieren. Samstagmorgen um 08.45 Uhr, drei Stunden früher als ursprünglich geplant, hatte ich bereits die Laufschuhe an und machte mich auf zur abschliessenden Disziplin dem Joggen. Die drei Marathons bzw. 126.6km oder 96 Runden a 1.3km zu joggen oder schnell zu gehen, müssen gut eingeteilt werden. Im Vorfeld hatte ich mich mental darauf eingestellt, dass ich die 96 Runden in circa 24 Stunden absolvieren kann und zudem die zweite Nacht auf Schlafen verzichten werde.

Am Samstagnachmittag um 15.00 Uhr wurden in der Meiereistrasse 37 Grad gemessen, an Joggen war hier schon lange nicht mehr zu denken. Bei diesen äusserlichen Bedingungen war es unendlich wichtig ausreichend zu trinken, den Salzverlust auszugleichen und auf Zeichen deines Körpers zu hören.

Doch die extremen Umwelteinflüsse kannten kein Erbarmen und somit wurden aus kleinen Druckstellen an den Fuss Zehenballen, die ich mir dummerweise bei Radfahren zugezogen hatte, binnen weniger Stunden riesige Blasen. Die Schmerzen wurden nahezu unerträglich, zudem konnte ich mit keinem der beiden Füsse mehr richtig abrollen, um vorwärtszukommen. Selbst der Rennarzt konnte mir mit seinem Skalpell und dutzenden von Pflastern und Binden nicht mehr weiterhelfen. Wir hatten die Laufschuhe bereits vorne für die Frischluftzufuhr komplett aufgeschnitten und an den Stellen wo die Monsterblasen mit dem Schuhen in Berührung kommen, einige Löcher in die Einlegesohlen geschnitten, um den Belastungsdruck zu reduzieren.

Alles vergebens. Nach nur 49km Joggen und 37.52 Stunden im Wettkampf fällte ich den Entscheid, das Rennen zu beenden und somit die Folgeschäden die durch etwaige Schonhaltungen entstehen, einzugrenzen. Dieser Entscheid war wirklich hart und ist mir nicht leichtgefallen, dennoch steht bei all diesen Wettkämpfen die Gesundheit an erster Stelle. Nur aus Fehlern kann man lernen und sich weiterentwickeln, also Schwamm drüber, abhaken, Kopf hoch, das Leben geht weiter…

Zum wohlverdienten Saisonabschluss folgte Ende September der 6 Stundenlauf in Brugg, bei dem ich erfreulicherweise den vierten Platz belegen konnte, ärgerlicherweise den dritten Platz um nur 1km Differenz verfehlte.

Die anschliessenden Monate bis Jahresende blieben die Laufschuhe im Schrank und das Rennrad im Keller und gemeinsam mit der Familie genoss ich die wunderschöne Herbstzeit mit ausgiebigen Wanderungen.

Ich danke an dieser Stelle ganz besonders meiner Lieblingsehefrau Bettina und meinem Sohn Luca für deren unermüdliche Unterstützung und für deren Verständnis in der nicht immer ganz einfachen Trainings- und Wettkampfzeit. Ich liebe Euch…

Zudem danke ich allen Veranstaltern, Betreuern, Freunden und Fans, dass sie uns Ultra Sportlern überhaupt solche Wettkämpfe ermöglichen und hierfür ihre eigenen Interessen zurückstecken bzw. ihre Freizeit und Urlaub freiwillig opfern.

Carsten

 

 

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